Neuerscheinung Juli 2013 aus dem Spätlese-Verlag:

Annäherung an Israel

Text: Erna Hofmann

Zeichnungen: H. H. Hofmann


Entdecken Sie mit uns Israel, auch abseits gängiger Reiserouten, die Facetten seiner wechselvollen Geschichte, seiner beunruhigenden Gegenwart. H. H. Hofmanns Zeichnungen machen aus dem kleinen Buch ein bibliophiles Schmuckstück.

84 Seiten, 21 x 15 cm, Efalin-Festband, Fadenheftung, Auflage 300 Exemplare, ISBN 978-3-924461-27-0     19,- €



Anstelle eines Eigenlobes hier ein paar Ausschnitte aus dem Kapitel

Wohnen in der Wüste

[...]

Wir nehmen die Straße nach Kiryat Gat, Tel Gat und Tel Lachish. [...] Die biblische Geschichte von David und Goliath soll sich hier zugetragen haben. Wir gelangen zu den Hazan-Höhlen. Kaum dass man den Eingang erkennen kann, der versteckt auf einer Bergkuppe liegt. Hier haben Menschen in den weichen Kreideuntergrund ein System von Höhlen, von Höhlenwohnungen, Sälen, Gängen, Arbeitsstätten gegraben, das einerseits vor Hitze und Kälte schützte, aber auch vor Entdeckungen von Feinden. Stellenweise sind die Gänge so niedrig, dass man nicht aufrecht stehen kann; das erleichterte die Verteidigung. Ein ausgeklügeltes Belüftungssystem versorgte die darin Lebenden mit Frischluft.

Im Nationalpark von Guvrin-Maresha besuchen wir eine weitere Höhlenstadt. Auch diese liegt auf, besser gesagt in einem Hügel. Riesige Höhlen birgt dieser, Zisternen, Ölmühlen, Wohnungen und eine Wand mit Nischen, von denen man nicht weiß, ob es sich um Urnennischen oder Taubennischen handelt. [...] Die Höhlen wurden wohl noch in hellenistischer Zeit genutzt, jetzt sind sie nur mehr touristische Attraktion. Aber auf dem Weg nach Sussia, nördlich von Beer Sheva, auf einer Straße, die ein Stück weit in die palästinensische Westbank hinein führt, sehen wir am Straßenrand Eingänge zu Höhlen, die auch jetzt noch bewohnt sind.

Der charismatische erste Präsident Israels, David Ben Gurion, hatte die feste Überzeugung, dass die Wüste für sein Volk lebensnotwenig sei, sie seine Zukunft darstelle. Man müsse alle Anstrengungen unternehmen, sie wieder fruchtbar zu machen. Dieses Vermächtnis lebt weiter. Gurion selbst gab ein Beispiel und wohnte in einem bescheidenen Haus mitten in der Wüste Negev. Man kann dieses ebenerdige Haus mit der kleinen Küche und dem großen, mit Büchern vollgestopften Arbeitszimmer besichtigen. Unweit davon ist auch die Grabstätte von David und seiner Frau Paula. Nebenbei bemerkt: Die Aussicht von dort hinunter ins Wadi ist atemberaubend! Neben dem Haus Gurions hat sich eine Universitätsabteilung angesiedelt, die mit Pflanzen experimentiert, die in diesem feindlichen Klima gedeihen können: Man greift auf alte Erfahrungen, Wasser zu sammeln und zu speichern zurück, nutzt Erkenntnisse, die schon die alten Nabatäer hatten. So sieht man z.B. ringsum im Wüstensand Felder mit grünen Pflanzen, kleine Bäumchen, deren Wurzeln mit Steinen bedeckt sind, die den Tau der Nacht zurückhalten. Man bereitet gebrauchtes Wasser wieder auf, gießt damit Felder und Wiesen. Man hat herausgefunden, dass sich unter der Wüste ein großer See befindet, dessen Wasser aber sehr salzig ist. Nun mischt man dieses Wasser mit Süßwasser und experimentiert, bis zu welchem Grad welche Pflanzen dieses aufbereitete Wasser vertragen.

Ein Beispiel dafür bietet uns ein Moshav in Paran, im südlichen Negev, dicht an der Grenze zu Jordanien. Wir bewohnen bei unserem Besuch 2010 in der Nähe, in einem Moshav in Zofar, ein kleines Häuschen. Es ist nachgerade ein Beispiel dafür, wie gut es sich dort leben lässt, wenn Wasser und sonstige Infrastruktur vorhanden sind..

Das kleine Haus, eines unter mehreren, enthält allen nötigen Komfort, Dusche, Wohn- und Schlafraum, eine vollständig eingerichtete Küche, es steht unter Palmen, in den Beeten gedeihen Blumen. Nachts heulen die Wölfe und Hyänen, die um den umgebenden Zaun streichen, ein Zeichen, dass doch noch Wildnis ringsum herrscht. Echte Pionierarbeit wird in dieser Gegend geleistet. Vor allem Paprika wird in riesigen Zelten kultiviert. Die Enkelin unseres Freundes Dan ist seit kurzem hier verheiratet und das junge Paar lebt in einem komfortablen Wohncontainer im Moshav Paran. Ringsum nur Sand und Steine. Die Verwaltung dieses Moshav hat ihnen ein Stück Land zur Verfügung gestellt, außerdem das "Haus", in dem sie nun leben, einen Anfangskredit und Hilfestellung bei Problemen. Sie haben sich entschlossen, wie alle ringsum auch Paprika zu kultivieren. Große Zelte mit doppelter Wandung stellt man dafür auf zum Schutz gegen Hitze und Kälte, schwarz und weiß, und ein ausgeklügeltes System mischt per Computer das bittere Wasser des Untergrunds mit dem Süßwasser, das weit von Norden her in Pipelines herangeführt wird. Eine ganze Stadt aus Zelten und Glashäusern ist so entstanden - und ist nicht die einzige in dieser Gegend!

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